Sonntag, 24. Juli 2011

Sommer komm zurück - ich hab ein Kleid!

Es ist fertig!

Diese Geschichte begann am 22.3.2011. Ich kaufte mir meine neue Nähmaschine und auf dem Weg nach Hause kam ich in der Brunnenstraße bei Stoffe Meyer vorbei. Diesen Laden verließ ich mit einem schönen Kokkastoff in Mintgrün mit weißen Punkten. Ein schönes Doppelgewebe für mein erstes Kleid. Ich hatte mir einen Schnitt aus der zu diesem Zeitpunkt gerade erschienenen Burda ausgesucht. Voller Motivation und mit zu diesem Zeitpunkt unbekannten Präzision kopierte ich den Schnitt. Beim Zuschnitt achtete ich penibel genau auf eine gleichmäßige Nahtzugabe. Eine Woche Urlaub lag vor mir und ich hatte alle Zeit der Welt. Hinzu kam, dass der Stoff nur auf 1.06 Meter lag, weshalb ich vorsichtshalber gleich drei Meter für mein Kleid kaufte. Mit 57 Euro war dies der bis heute teuerste Stoff, den ich gekauft hatte. Ein Fehler würde mir also teuer zu stehen kommen. Leider war der größte Fehler, den ich machte, der Schnitt. Ich vergaß, dass die Burda gerade ihre "wir machen einen Sack mit Gummizug"-Phase hatte und so war mein schöner Stoff zu einen Kartoffelsack mutiert. Er landete im Schrank und nach einer längeren Zeit täglicher Begutachtung wurde aus dem Kleid schließlich ein Rock. Mein Urlaub war zu Ende, ein Kleid fehlte jedoch noch immer in meinem Schrank.

Es folgten andere Projekte. Erst einmal kein Kleid.

Dann fing ich ganz von vorn an. Das Himmelfahrtswochenende stand bevor und ich hatte ein wenig Zeit. Das neue Kleid war ein Schnitt aus Wendy Mullins Buch "Dresses". Es war nun blau mit grünem Kontrastbündchen. "Grün und Blau, trägt dem Kasper seine Frau" ging es mir dabei immer wieder durch den Kopf.  Dann war es blau mit weißen Jerseybündchen. Danach entschloss ich mich weitere Abnäher einzusetzen, damit es nicht mehr aussieht wie ein Kartoffelsack. Die Abnäher standen hab. Zeit ging ins Land. Das Himmelfahrtswochenende lange vorbei. Etwas störte mich noch immer. Das ganze obere Stück erinnerte mehr an eine Schürze. Ich versuchte ein Neckholdertop zu entwerfen. Ich verworf das Neckholdertop und schnitt das Oberteil vom Perwollkleid zu. Die Ärmel waren mir dann aber doch zu flatterhaft. Ich kaufte mir die Brigitte mit den Kleiderschnitten. Daraus pauste ich den Schnitt für das Millefleurs-Kleid ab. Ich übertrug den Schnitt auf einfachen Baumwollstoff, um erst einmal das mit dem Smog auszuprobieren.

Aber dann! Vergangene Woche kam Pepita zu meinen regelmäßigen Lesern dazu und ich stöberte interessiert in ihrem Blog. Dort sah ich es dann: mein Kleid. Es stammt aus der Burda 5/2009 und war wunderhübsch. Wie gemacht für mich. Der Ausschnitt nicht zu weit und doch nicht zu verschlossen. Der Schnitt schlicht und körpernah. "Mai 2009" dachte ich mir, die Burda hast du doch neulich aus der Bibliothek mitgebracht. Eigentlich war ich in die Bibliothek gefahren, weil ich mir die Juniausgabe der Burda von diesem Jahr entleihen wollte. Als mir dann die Burda mit dem Titel "Special - Kleider die wir lieben!" in die Hände viel und mein Kleiderproblem ja noch nicht gelöst war, da musste diese Burda natürlich gleich mit. Und nun wie durch ein Wunder fügte sich alles zusammen.

Ich übertrug den Schnitt auf Packpapier, fertigte zur Sicherheit ein Probekleid und war hin und weg. Der Schnitt saß 1A. Nur am Rücken habe ich noch einen Zentimeter weggenommen, damit es da nicht so ausbeult. Mein Schnitt war also gefunden, erprobt und für gut empfunden. Dass mein Kleid nicht mehr blau sein sollte, hatte ich in der Zwischenzeit schon länger mit mir ausgemacht und so begab ich mich noch einmal zum Stoffladen. Mein Kleid sollte grün sein!

Bei Frau Tulpe fand ich dann einen schönen Echinostoff in Grün mit mintfarbenen, mittelgroßen Tupfen. Der Stoff ist ein Baumwoll-Leinen-Gemisch und sehr angenehm auf der Haut. Zuhause angekommen bügelte ich den Stoff erst einmal mit einer guten Portion Dampf. Für eine Wäsche war nun wirklich keine Zeit mehr. Mein Kleidprojekt startete schließlich bereits im März und nun, wo das Ziel zum Greifen nah schien, konnte ich keine Verzögerung mehr billigen. Nach dem Zuschnitt, den ich erstmals nach Sinjes neuer Methode ganz fix erledigte, stöberte ich noch ein wenig in meinen Utensilien und fand, ein rote Paspel würde dem Kleid gut stehen. Bisher habe ich Paspeln immer nur gekauft. Verwendet hatte ich noch keine einzige. Also zum ersten Kleid gesellte sich hier noch eine weitere Premiere. Für einen schönen Saum verwendete ich ein rotes Ripsband. Auch dieses hatte ich bereits seit einiger Zeit daliegen und wusste gar nicht so richtig, wozu man so etwas braucht. Im Stoffladen hatte ich die Gelegenheit ergriffen und einfach mal nachgefragt. Hier wurde die Verarbeitung am Saum mit aufgezählt und daher probierte ich es einfach mal aus. Der Saum und ich, wir sind bisher nie die besten Freunde gewesen. Ich bin viel zu ungeduldig, als dass ich kurz vor Fertigstellung noch die Muse hätte, um einen gleichmäßig breiten Saum abstecken zu können und so war dieser bisher in den meisten Fällen eben schief und krumm. Das Ripsband schien mir hier ein gutes Maß zu sein, um wenigstens einen gleichmäßig breiten Saum zu erhalten. Und nachdem das Projekt sowieso schon in die dritte Verlängerung gegangen ist, versuchte ich es dieses Mal ganz korrekt zu machen. Ich hatte sogar Glück. Den Schnitt hatte ich in weiser Voraussicht pi x Daumen um einige Zentimeter gekürzt und die eingezeichnete Schnittkante endete exakt unterhalb meines Knies. (Bei meinem Besuch bei Stoffe Meyer hatte mich die Mutter der Inhaberin beraten. Und da diese außerdem Stilberatungen anbietet, bekam ich den Tipp mit der richtigen Rocklänge gratis zum Stoffkauf dazu)

Und jetzt ist es fertig.

Von vorn
Von hinten
Die Paspel

Mein Kleid ist nun das erste Kleidungsstück mit meinem neuen Label und ich finde, das hat es sich verdient. Ich bin sehr zufrieden. Wahrscheinlich ist das jetzt auch das erste Mal, dass ich sagen würde: beim nächsten Mal mache ich es genauso wieder! :)



minnies made it - Yeah!

Kommentare:

  1. Du bist zu Recht stolz darauf, wirklich ein wunderschönes Kleid. Und es passt auch noch so gut...
    Greets,
    Liese

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  2. Sieht toll aus! Und jetzt noch richtig laut - wie in der Überschrift vom Balkon rufen!
    Liebste Grüße, Nina

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